Wer aber steckt hinter SARTORI – DIE TORTE?

Wer lässt Ihren Tortentraum Wirklichkeit werden? Es ist Petra Bacher, eine äußerst vielseitige Wiener Designerin. Im folgenden verrät sie uns, wie weit ihre Erfahrungen mit exquisiten Süßigkeiten zurückreichen, woher sie ihre Ideen nimmt und was Textildessins mit Torten zu tun haben.

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Wollten Sie immer schon Torten designen? Welche Rolle spielten Süßigkeiten in Ihrer Kindheit?

Nein, es ist kein langgehegter Kindheitstraum, den ich jetzt realisiere, sondern das fast logische Ergebnis einer langen interdisziplinären Tätigkeit als Designer mit mehr Liebe zur Patisserie, als gesund ist. Lange war mir das nicht bewusst, aber Süßes und Ornamente haben sich thematisch durch mein Leben gezogen, und jetzt schließt sich der Kreis in einer Verknüpfung von feinster Patisserie mit außergewöhnlicher Gestaltung. Meine Oma würde jetzt schmunzeln, denn ihr Ratschlag für meine Zukunft war: „Kind, mach etwas, das mit Lebensmitteln zu tun hat ... essen müssen die Leut’ immer!“
Mit meinen Eltern bin ich oft am Demel vorbeigegangen und hab’ mir die Nase an Berzeviczys Schaufenstern plattgedrückt und jedes seiner Bonbonpapierln und seine Verpackungen gesammelt und gehütet wie den größten Schatz. Zuhause wurden dann besondere Weihnachtskalender daraus, gefüllt mit Schokoladefondanthütchen.

Über welche Umwege wurde aus der Lust, Süßigkeiten zu dekorieren, die Geschäftsidee SARTORI – DIE TORTE?

Schon als 16-jähriges Au-pair-Mädchen war ich in meinen freien Stunden süchtig nach der Pariser Eleganz, und abends durfte ich dann Mme Buchet, die die Pariser Avantgarde der 1930er-Jahre bekocht hatte, in ihrer mir unvergesslichen Küche beim Zubereiten ihrer Spezialitäten zur Hand gehen. Die Lust am Entwerfen ist zum Beruf geworden und hat sich in einem Cross-over durch viele Disziplinen des Designs bewegt. Die Süßspeisen haben mich dabei immer begleitet und waren ein Gebiet, in dem ich mich sehr unbefangen austoben konnte. Wenn mir danach war, hab’ ich mitten im Sommer bei 40°C im Schatten bei meiner Tante Backseminare absolviert, damit das süße Werk nicht nur schön aussieht, sondern auch genauso gut schmeckt. Als Vorlage und Inspiration dienten mir oft die handgeschriebenen Kochbücher von Marie Sartori, meiner Urgroßmutter! Auch wenn die Sartori Torten selbst von meinem wunderbaren Partner und Lieblingspatissier Wolfgang Leschanz gebacken werden, ist es immer gut, von der Materie eine Ahnung zu haben. Die Initialzündung zum Projekt SARTORI – DIE TORTE war das spontan ausgesprochene Angebot, zwei lieben Freunden eine Hochzeitstorte zu schenken und die Enttäuschung, keine zu finden, die dem entsprach, was ich mir so darunter vorgestellt hatte.
Zufällig bin ich dann über einen Satz von Diana Vreeland gestolpert: „Gib den Menschen nicht, was sie wollen, sondern das, wovon sie nie zu träumen wagten“ und habe losgelegt.

Was sind Ihre Inspirationsquellen?

Inspirierend finde ich so ziemlich alles, was ich sehe, rieche und schmecke, vor allen Dingen auf Reisen. Jammerschade ist die Beschränkung des Gepäcksgewichtes bei Flugreisen, deretwegen ich nicht mehr sämtliche inspirierenden Kleinigkeiten und Kostproben aus anderen Ländern mitschleppen darf. Wenn man nicht nur schaut sondern auch sieht, gibt es an jeder Ecke Inspirationsquellen. Im Moment faszinieren mich Turmspitzen oder die Kostüme spanischer Infantinnen. Es können aber auch Käferbeine sein, Gemüse oder ein Hut.... Manchmal sind es auch Bilder der Erinnerung, die auftauchen, wenn man in eine bestimmte Praline beisst. Als Maniac der Perfektion und Präzision tüftle ich dann sehr lange an den Farben und einzelnen Formen herum, bevor ich mich an die skulpturale Arbeit mache. Ich nenne meine Werke die „Haute Couture der Torten“ – sie sind handgemacht, maßgeschneidert und prachtvolle Unikate. Herrlich ist, dass auch wenn die Kunstwerke schon lange verschwunden – sprich verspeist – sind, nach dem Moment des Zelebrierens deren köstliche Schönheit in Erinnerung bleibt.

Wie sehen die wichtigsten Arbeitsschritte im Entwurfsprozess Ihrer Torten aus?

Die meisten Entwürfe enstehen vor dem Einschlafen im Kopf und erhalten später zeichnerisch ihren Feinschliff. Weil die handelsüblichen Werkzeuge meistens nicht geeignet sind, um die Entwürfe umzusetzen, fertige ich kurzerhand das Passende an. Sehr viel Zeit benötigt dann das Farbenmischen – genau wie in der Mode wird das Modell erst durch die richtige, stimmige Koloration lebendig.
Man wird meine Arbeit zwar kopieren – das ehrt mich sogar – meine ständig neu sprudelnden Ideen aber nicht. Ich bin davon überzeugt, dass der Mensch vor allem in besonderen Situationen Originale schätzt – man möchte ja schließlich auch kein Brautkleid tragen, das schon jemand anderer anhatte!

Was haben Ihre Torten mit Ihren früheren Designarbeiten zu tun?

Ich kann unheimlich viel aus der Vielfalt meiner eigenen Arbeiten über all die Jahre schöpfen – speziell aus der langjährigen Tätigkeit als Textildesigner. Viele Jahre und hunderte Stoffmuster später profitiere ich noch immer sehr viel von der intensiven Beschäftigung mit Ornament, der Mode und dem Interiordesign.
Auch meine Jahre als Art Director bei Meinl am Graben, in denen ich nicht nur äußerst aufwendige Schaufenster inszeniert habe, sondern auch für Grafik, die Verpackungen und die optische Präsentation einzelner Bereiche zuständig war, bereichern noch immer meine Arbeiten. Nicht zuletzt spielt auch die Beschäftigung mit dem Garten und der Botanik als Gestaltungsbereich an der Universität für angewandte Kunst eine wichtige Rolle. Die unsichtbaren roten Fäden, die sich durch alle meine Torten ziehen, sind jedenfalls die Liebe zum Detail, die Geduld, die Neugier und die Sehnsucht nach Schönheit.